Kurz erklärt: Wie funktionieren Wärmenetze?
Vereinfacht dargestellt besteht ein Wärmenetz aus einer zentralen Heizanlage, dem Verteilnetz und den Übergabestationen in den angeschlossenen Gebäuden. Die Anlage erzeugt Heizwärme, die über gedämmte Erdleitungen zu den angebundenen Gebäuden geleitet wird. Das Transportmedium der Wärme ist meist heißes Wasser. Das System funktioniert als geschlossener Kreislauf mit Vor- und Rücklauf, was bedeutet, das ankommende heiße Wasser wird zum Heizen und zur Warmwasserbereitung genutzt und anschließend abgekühlt wieder zurück in das Netz geleitet.
Während in der Vergangenheit überwiegend sogenannte „heiße Wärmenetze“, also Netze mit einer Vorlauftemperatur von bis zu 80°C, zum Einsatz kamen, geht die Tendenz heute zu smarten Niedertemperaturnetzen mit einer Vorlauftemperatur von 40 – 70°C oder der nahezu verlustfreie arbeitenden Wärmeversorgung der „Kalten Nahwärme“, die mit Vorlauftemperaturen von nur noch 35 – 45°C auskommen.
Und so kommt die Wärme ins Haus – ein System der kurzen Wege.
Setzte man in der Vergangenheit in erster Linie auf Gas- und Kohleheizkraftwerke für die Energiegewinnung, speist sich ein Wärmenetz, welches den heutigen klimagerechten Erfordernissen entsprechen soll, ausschließlich aus regional vorhanden Energiequellen aus erneuerbaren Energien.
Erzeugung
Dies können ortsnah errichtete Photovoltaikfelder und/oder Windenergie- oder Kleinwindanlagen sein, die eine zentrale Großwärmepumpe mit Strom versorgt. Diese Wärmepumpe erzeugt dann die Heizwärme, die die Haushalte mit der notwendigen Energie versorgt.
Solarthermie
Weitere Möglichkeiten nachhaltiger Energiegewinnung sind sogenannte solarthermische Lösungen, auch Solarthermie genannt. Hier fangen Sonnenkollektoren die Strahlung auf und wandeln sie in thermische Energie um. Die aus dem Sonnenlicht geerntete Wärme wird an einen Wärmetauscher bzw. Heißwasserspeicher abgegeben, die dann die Haushalte mit Heizungswärme und zur Warmwasserbereitung versorgen. Im Sommer überschüssige Energie kann in Erdspeicherbecken „zwischengespeichert“ werden und dann im Winter zur Beheizung von Gebäuden dienen.
Die neue Methode der sogenannten „Solar-Hybridkollektoren“, auch „Photovoltaisch-thermische Kollektoren“ (PVT) genannt, verbindet die Technik von Solarthermie und Photovoltaik in einem System. Sie nutzen die Sonnenenergie, um diese sowohl in Wärme als auch in Strom umzuwandeln – und das bei höherer Effizienz und geringerem Flächenbedarf.
Geothermie
Eine spannende aber vor allem zukunftsträchtige und klimaneutrale Form der Energiegewinnung ist die Nutzung heißen Wassers aus tief gelegenen Gesteinsschichten, der sogenannten Geothermie, wobei zwischen der Oberflächennahen Geothermie, der Mitteltiefen Geothermie und der Tiefen Geothermie unterschieden wird
Bei der Oberflächennahe Geothermie werden Erdsonden oder Erdkollektoren in einer Freifläche installiert. Sie ist bohrtechnisch gut erreichbar und kann in Kombination mit Wärmepumpen konsequent ausgebaut werden.
Die Mitteltiefe Geothermie spricht den Bereich von 400 m bis 1500 m an, der je nach Wärmebedarf und Wärmeangebot direkt oder mit Wärmepumpen genutzt werden kann. Hier kommen hydrothermale Systeme zum Einsatz, die wirtschaftlich nutzbares Thermalwasser mit ausreichenden Temperaturen verwertet.
In der Tiefen Geothermie, von 1.500 m bis 5.000 m Tiefe, werden hydrothermale Angebote genutzt, die direkt der Wärmebereitstellung oder der Stromgewinnung dienen. Die geeigneten Stellen werden über eine Tiefenexploration und Auswertung der Seismik ermittelt.
Biogasanlagen
Die Energie aus Biogasanlagen von örtlichen Landwirten, die Nutzung von Biobrennstoffen aus erneuerbaren Energien (z.B. Verbrennung von Pellets aus biogenen Rest- und Abfallstoffen), Prozessabwärme aus der Industrie oder aber auch die Rückgewinnung von Haushaltsabwärme (z.B. in die örtliche Kanalisation eingeleitetes heißes/warmes Wasser vom Duschen, Baden oder aus der Küche) können den Energiemix nachhaltig unterstützen.
Kopplung der einzelnen Energiequellen
Wärmeverteilung
Wärmenetze der neusten Generation erkennen mittels Künstlicher Intelligenz (KI) punkt- und zeitgenau den Wärmebedarf innerhalb der Gemeinde und können so den Energiebedarf effizient und effektiv steuern.
Übergabestationen
Übergabestationen an Netzen der „Kalten Nahwärme“ sind in der Regel zusätzlich mit einer integrierten Wärmepumpe ausgestattet, die das mit geringerer Wärme zulaufende Wasser (Vorlauftemperatur bis ca. 40°C) direkt im Haus den jeweils tages- und jahreszeitlichen Erfordernissen anpasst und immer die gewünschte und notwendige Wärme sowie ausreichend temperiertes Warmwasser bereitstellt. Auch diese Geräte sind nicht größer als herkömmliche Heizungsanlagen.
Kosten
Grundsätzlich setzen sich die Anschlusskosten aus einem Anschlusspreis und einem Leistungspreis zusammen. Der Anschlusspreis beinhaltet die Verlegung der Wärmeleitung von der Straße bis zur Montage der Übergabestation. Hierbei handelt es sich um einmalige Kosten. Der Leistungspreis steht für die Zusage, jederzeit die maximal benötigte Leistung abrufen zu können. Der Posten umfasst auch die Wartung und Modernisierung der Anlage. Er fällt als regelmäßig zu zahlender Betrag an. Die Frage der konkreten Preisgestaltung für das Wobbenbüller Wärmenetz kann derzeit nicht seriös beantwortet werden. Erst wenn das Wärmenetz projektiert ist, d.h. wenn das Ergebnis der Machbarkeitsstudie vorliegt und die detaillierte technische Planung für den Bau eines Wärmenetzes abgeschlossen ist, können die exakten Kosten kalkuliert werden. Dies wird Mitte des Jahres 2024 der Fall sein. Selbstverständlich werden wir Sie über Kostenentwicklung auf dem Laufenden halten und sie persönlich sowie auch im Rahmen von Informationsveranstaltungen hierüber informieren.



Für alle der passende Anschluss
